Abenteuer im Kopf

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo.“ Nun ja, sie sind definitiv im Klangraum Herbst zu finden. Da mag auch André Heller, der die Abenteuer im Kopf besang, eine einladende Alternative vorfinden. Ein Reisebüro für Traumökologie. Eine Tankstelle für Klangdestinationen. Kopf über in Musik, Literatur und Gespräche danach stürzen. Lustvoll an der Phantasie baumeln und die Welt auspendeln. Mit den Künstlerinnen und Künstlern im Klangraum im Herbst neues Terrain erobern: Abenteuer im Kopf erleben.

Der wohl kreativste Trompeter zwischen All und Mnozil Brass Universum reist mit dem radio.string.quartet von Erdberg nach Indien. Thomas Gansch erspielt eine Galaxie aus Joe Zawinul bis hin zu John MacLaughlin und dessen Mahavishnu Orchestra. Das macht ebenso neugierig wie das Programm rund um „Stripsody“ von Sängerin Anna Hauf und Akkordeonist Krassimir Sterev. Anna Hauf folgt der legendären amerikanischen Sängerin Cathy Berberian, die sich mit „Stripsody“ ein Stück komponierte, das aus Sprechblasen und Comics besteht. Versäumen Sie nicht, einen Blick in die herrlich komische Partitur zu werfen – genießen Sie Zeitgenössisches mit Humor in der Galerie Raumimpuls, durchaus mit einem Glas Wein. Das schadet auch nicht, wenn Wolfram Berger einen absurd skurril, zutiefst österreichischen Zug besteigt. Der vielseitige Schauspieler übernimmt in dem parodistischen Spiel in einem Akt „Kaiser Joseph II. und die Bahnwärterstochter“ von Fritz Herzmanovsky-Orlando alle 30 Rollen (!), musikalisch begleitet vom Akkordeonisten Christian Bakanic.

Reisen das radio.string.quartet und Thomas Gansch von Erdberg nach Indien, so tut dies das Janoska Ensemble in die andere Richtung. Die Janoskas bleiben in Europa. Angeregt von den Beatles und Aufnahmen in den berühmten Londoner Abbey Road Studios geht es im „Janoska Stil“ galant gipsy von Wien über London, nach Liverpool, die Heimat der „Pilzköpfe“. Ein Abend, den sie mit Sicherheit nicht vergessen werden. Die Janoskas verführen und entführen auf ihre ganz besondere Weise.

Und diese Abenteuer im Kopf können auch verstören, wachrütteln: Max Simonischek verliert in Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“ jeglichen Realitätssinn und zeigt einmal mehr, welch grandioser Schauspieler er ist. Simonischek wird eins mit Kafkas Parabel über eine Gesellschaft, die durch das Vermeiden von Risiko, das wahre Risiko, den allgegenwärtigen Abgrund in die Glieder kriechen lässt.

Der Schauspieler und ehemalige Direktor des Wiener Volkstheaters, Michael Schottenberg, ist unter die Reisenden gegangen und vermittelt in „Die Welt ist nicht genug“ was tatsächliches Reisen und Reisen in der Fantasie an wunderbaren Geschichten hervorbringt. Im Titel lässig angelehnt an die Abenteuer von James Bond 007, der ebenso das Meer und das All im Auftrag hatte, heftet sich Michael Schottenberg auf Geschichten, die das Reisen schrieb; von Jules Vernes bis Perry Rhodan und Eigenes. Das Abenteuer beginnt, wo das Alltägliche im Fremden staunen macht.

Die Bachmann-Preisträgerin des Jahres 2018, Tanja Maljartschuk, liest ihren prämierten Text „Frösche im Meer“, begleitet vom Vorarlberger Jazzpianisten David Helbock, der sich von den Texten der ukrainischen wie in Wien lebenden Autorin zu Improvisationen inspirieren lässt. Der Ausnahmemusiker wird den Klangraum im Herbst mit einer genialen Vorgabe beschließen: „Playing John Williams“. Und schon spazieren der Weiße Hai, Indiana Jones oder Harry Potter über die Bühne.

Abenteuer im Kopf!

Auf Ihr Kommen freut sich,
Thomas Bieber

Klangraum im Herbst

Das Herbstfestival bespielt alljährlich charismatische Orte des Mostviertels und hat sich programmatisch zu einem Konzertzyklus mit feiner Solo- und Kammermusik entwickelt.

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