Bach, oder Zahl und Musik

Sonntag 08.11.2026 18:00 Uhr
Antonia Straka – Cello Solo Prof. Dr. Rudolf Taschner

Vortrag/Konzert

Kristallsaal
Schloss Rothschild
Waidhofen an der Ybbs

Obwohl Bachs Musik mathematisch hochgradig strukturiert und perfekt ausbalanciert ist, verliert sie nie ihre metaphysische und emotionale Wirkung. Das rationale Denken allein reicht laut Prof. Taschner nicht aus, um die vollkommene Schönheit dieser Geniestreiche ganz zu erfassen.

In seinem Vortrag schlägt der bekannte österreichische Mathematiker und Buchautor eine Brücke zwischen der rationalen Welt der Mathematik und der emotionalen Tiefe der Musik. Er zeigt auf, wie tief mathematische Strukturen, Proportionen und Zahlenverhältnisse in den Kompositionen von Johann Sebastian Bach verwurzelt sind.
Im Anschluss stellt die junge Cellovirtuosin Antonia Straka zwei Cello-Solo Suiten Joh. Seb. Bachs zwei Gegenwartswerke von ebenso beeindruckender Schönheit gegenüber: Mit Auszügen aus Sofia Gubaidulinas 10 Präludien für Cello Solo sowie György Ligetis früher Solosonate.

Programm

Vortrag Prof. Dr. Rudolf Taschner – Bach, oder Zahl und Musik

Pause

J.S. Bach – Suite Nr. 1 in G-Dur BWV 1007

Sofia Gubaidulina – aus 10 Präludien für Cello Solo

J.S. Bach – Suite Nr. 3 in C-Dur BWV 1009

György Ligeti – Solo Sonate für Violoncello WV 4229

Antonia Straka

– Cello Solo

Die österreichische Cellistin Antonia Straka entstammt einer Wiener Musikerfamilie und gilt als eine der vielversprechendsten Künstler*innen der jungen Generation.
2025/26 ist Antonia Mitwirkende des IMS und der OCM Prussia Cove, der Ozawa Akademie in Genf, des Schiermoonikoog Festivals, sowie bei Festivals in Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlanden, Spanien und der Schweiz zu Gast.

Im Frühjahr 2026 ist sie Teil des Festivals „Chamber Music Connects The World“ der Kronberg Academy.
Antonia ist mehrfach ausgezeichnete 1. Preisträgerin bei nationalen und internationalen Wettbewerben darunter Laureate von Musica Juventutis 2020 und Gewinnerin der Internationalen ESTA Concerto Competition 2022, Teilnehmerin des ARD-Wettbewerbs 2024 sowie Semifinalistin der Internationalen Cello Competition in Budapest 2025.
Solistische Auftritte beinhalten die Zusammenarbeit mit dem Slowakischen Rundfunkorchester, dem Wiener Kammerorchester, dem Wiener Jeunesse Orchester, dem Next Generation Orchestra, dem LSO Steiermark, dem Orchester der Iberacademy Kolumbien und dem Franz Liszt Kammerorchester Budapest.
Antonia Strakas rege kammermusikalische Tätigkeit führte zur Zusammenarbeit mit renommierten Künstler*innen wie Eszter Haffner, Christian Altenburger, Réka Szilvay, Patrick Demenga, Peijun Xu, Veit Hertenstein, Christoph Zimper, Adela Liculescu, Anton Gerzenberg, Thomas Riebl und Kate Lindsey.
Als Featured Artist der Jeunesse Österreich in der Konzertsaison 2023/24 spielte sie bei der Saisoneröffnung im ausverkauften Goldenen Saal des Wiener Musikvereins Antonín Dvořáks Cellokonzert, welches in einem ORF Ö1- Live-Mitschnitt dokumentiert wurde.
2021 debütierte sie als Solistin im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins und im Schubertsaal des Wiener Konzerthauses. In der Saison 2022/23 konzertierte sie mit dem Wiener Kammerorchester (Rokoko-Variationen, Pezzo Capriccioso) und war mehrmals in Beethovens Tripelkonzert zu hören.
Nach Studien bei Maria Grün an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und bei László Fenyö an der HfM Karlsruhe setzt sie gegenwärtig ihre Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste bei Thomas Grossenbacher fort.
Meisterkurse bei Steven Isserlis, Ralph Kirshbaum, Peter Bruns, Wen-Sinn Yang, Gustav Rivinius, Kian Soltani, Maximilian Hornung, Frans Helmerson und Gary Hoffman sind eine große Bereicherung für ihre künstlerische Entwicklung.
Seit 2022 ist Antonia zudem Stipendiatin der Internationalen Musikakademie Liechtenstein und wird mit Stipendien für junge herausragende Talente der Geert und Lore Blanken- Schlemper-Stiftung und des Rahn Kulturfonds unterstützt.
Die Musikerin spielt wahlweise auf einem Cello von Gennaro Gagliano, Neapel 1758, „ex Duke of Hamilton“, einer Leihgabe der Oesterreichischen Nationalbank und einem Instrument von Giuseppe Sgarbi, Rom 1885.

Prof. Dr. Rudolf Taschner

Rudolf Taschner besuchte die Theresianische Akademie in Wien, an der er 1971 maturierte. Im Anschluss studierte er unter anderem bei Edmund Hlawka, Johann Cigler und Peter Hertel Mathematik und Physik an der Universität Wien und promovierte 1976 sub auspiciis praesidentis zum Dr. phil. Ein Jahr später beendete er ein Lehramtsstudium für beide Fächer (Mag. rer. nat.).

1977 nahm Taschner eine Stelle als Universitätsassistent am Institut für Analysis und Technische Mathematik an der Technischen Universität Wien an und arbeitete nebenbei im Lehrberuf an der Theresianischen Akademie. Ein Gastaufenthalt an der Standford University in den USA folgte 1979. Im Jahr 1981 konnte sich Taschner an der Technischen Universität habilitieren, seit 1997 ist er dort als Universitätsprofessor tätig.

Der Wissenschaftler kann auf eine Reihe fachspezifischer Publikationen und Vorträge verweisen. Ein besonderes Anliegen ist es ihm aber auch, die Mathematik im Rahmen populärwissenschaftlicher Bücher und Vorträge einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gemeinsam mit seiner Frau Bianca und Kollegen gründete er „math.space“, einen Veranstaltungsort im MuseumsQuartier. Seine Vortragstätigkeit konnte Rudolf Taschner auch mehrmals auf die Wiener Vorlesungen ausdehnen. Darüber hinaus leitet er den Wiener Wirtschaftskreis, einen Thinktank der Wirtschaftskammer Wien auf wirtschafts- und gesellschaftspolitischem Gebiet.

Bei der Nationalratswahl 2017 kandidierte Rudolf Taschner für die ÖVP und zog als Abgeordneter in den Nationalrat ein, dem er mit einer kurzen Unterbrechung bis dato angehört. In seiner Fraktion übt er die Funktion des Bildungssprechers aus. Schon zuvor war er als regelmäßiger Kolumnist in der Tageszeitung „Die Presse“ mit politischen Kommentaren in Erscheinung getreten.

Taschner erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, darunter die Wahl zum „Wissenschafter des Jahres“ (2004) oder den Preis der Stadt Wien für Volksbildung (2011). Der Public-Relation-Verband Austria erwählte ihn 2007 zum Kommunikator des Jahres.

Werke (Auswahl)
Rudolf Taschner: Das Unendliche – Mathematiker ringen um einen Begriff. Berlin / Heidelberg: Springer 1995
Rudolf Taschner: Der Zahlen gigantische Schatten. Mathematik im Zeichen der Zeit. Wiesbaden: Vieweg 2004
Rudolf Taschner: Zahl, Zeit, Zufall – alles Erfindung? Salzburg: Ecowin-Verlag 2007
Rudolf Taschner: Rechnen mit Gott und der Welt. Salzburg: Ecowin-Verlag 2009
Rudolf Taschner: Die Mathematik des Daseins. Eine kurze Geschichte der Spieltheorie. München: Hanser 2015
Rudolf Taschner: Woran glauben – 10 Angebote für aufgeklärte Menschen. Wien: Brandstätter 2016
Rudolf Taschner: Die Farben der Quadratzahlen. München: Hanser 2019