Raoul Schrott „Über Sternbilder“

Sonntag 14.11.2021 16:00 Uhr

Kristallsaal
Schloss Rothschild
Waidhofen an der Ybbs

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Der poetische Kosmopolit! Der Forscher in den Schichten der Sprache. Ein Archäologe der Überlieferung. Der renommierte Wissenschaftler, Autor und Literat Raoul Schrott arbeitet an einem faszinierenden Langzeitprojekt. Mit einem suchenden Blick nach oben, aus der Welt hinaus ins Innerste: Der „Atlas der Sternenhimmel“ ist ein Kompendium, das es noch nicht gibt. Aber unbedingt geben sollte, wie er meint.

Schrott, der im Bregenzerwald lebt, hat bereits mehrere Jahre in dieses Projekt investiert. Er möchte in diesem Mammutwerk möglichst viele Sternenhimmel von indigenen und historischen Kulturen aus aller Welt dokumentieren. Von den alten Ägyptern oder Chinesen bis hin zu den Maori. „Unser Sternenhimmel ist der griechisch-römische“, erklärt Schrott. Doch seine Sternbilder stammen ursprünglich aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Sie wurden von den Griechen nur mit anderen Namen und Geschichten versehen und uns dann über die Geisteswelt der Araber weitergegeben, was man an den verstümmelten Namen, so der Experte, erkennt. So heißt etwa „Beteigeuze“, ein zur Milchstraße gehörender Riesenstern, eigentlich „Yad al-Jauza“, die „Hand der Riesen“.

Ob im Norden oder Süden, jeder Himmel erzählt dabei seine ureigenen Geschichten der Menschen, die ihn mit Sehnsucht und Neugier, nicht selten Ehrfurcht erkunden. Raoul Schrott dokumentiert in akribischer Kleinarbeit die jeweiligen Figuren, die man in den Sternen gesehen hat, und jene Legenden, die darin ihren Ursprung fanden. So kommt zur Wissenschaft simultan das Storytelling im eigentlichen Sinn hinzu. Dass dieses Projekt seit zwei Jahren den Kinderschuhen entwachsen ist, beweist die Unterstützung durch die Deutsche Bundeskulturstiftung, in deren Auftrag Raoul Schrott die Wurzeln des uns vertrauten griechisch-römischen Sternenhimmels erforscht.

„Alles, was wir jetzt nicht sammeln, wird unwiederbringlich verlorengehen“, ist Raul Schrott überzeugt. Der Himmel als grenzenloses Dach einer jeweiligen geografisch begrenzten Kultur. Die Nacht als leuchtendes Spiegelbild für Gottesvorstellungen, Heldenreisen, Moral und Ethos. Diese unendliche Erzählung der Menschen. Packend wie Schrotts letzter Roman „Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier, der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“. Ein lebendiger Parcours durch Wissenschaft und Poesie. Eine unbändige Lust am Entdecken und Begreifen.