Das vergessene Instrument

Sonntag 20.09.2020 15:00 Uhr
Maddalena del Gobbo – Baryton David Pennetzdorfer – Violoncello Sebastian Führlinger – Viola

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Leopold Mozart beschreibt in seiner berühmten Violinschule das dem Cello und der Viola da Gamba nicht unähnliche Baryton: „also zwar, dass zu gleicher Zeit, als man mit dem Geigenbogen auf den oben gespannten Darmseyten die Hauptstimme abgeiget, der Daume durch das Anschlagen der unter dem Hals hinabgezogenen Seyten den Bass dazu spiele. Und eben deswegen müssen die Stücke besonders dazu gesetzet seyn. Es ist übrigens eines der anmuthigsten Instrumente.“ Und genau diese Anmut übersetzt die wunderbare italienische Gambistin Maddalena del Gobbo mit ihren Kollegen ins Hörbare.

„ad cor“ – zu Herzen soll es gehen. Das nur zum Schein vergessene Instrument. Komponisten schätzten die klangliche Raffinesse des Baryton; allein Joseph Haydn komponierte für Fürst Nikolaus I., den „Prachtvollen“, 115 Trios für das Baryton, Viola und Violoncello. Ihm ist es durch die wundervolle und berührende Stimme und die Ausdrucksmöglichkeiten des Bayrtons sowie dem von Leopold Mozart erwähnten gleichzeitigen Zupfen der Resonanzen im Spiel gelungen, eine zutiefst berührende Klangwelt zu erschaffen.

Der musikalische Dialog mit der Viola schafft zusätzlich eine einzigartige Atmosphäre, die asingulär in der Musikliteratur dasteht. Als öffne sich auf Schloss Esterházy ein Fenster ins Pannonische, Vögel zwitschern und drei Musiker geben sich den Seelen ihrer Instrumente hin. Es wird still. Poesie waltet – Kriege werden trotzdem geführt. Doch bleiben sie nicht das einzige im Nachleben der Fürsten. Auch Luigi Tomasini wirkte als Geiger und Komponist am Hofe; Haydn schätzte seine Virtuosität. Andreas Lidl galt überhaupt als Baryton-Virtuose, der mit den klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes lustvoll experimentierte. Es wäre ein sträflicher Luxus, das Baryton zu vergessen!

Maddalena del Gobbo

– Baryton

Maddalena Del Gobbo ist weltweit die einzige Gambistin, die solistisch bei der renommierten „Deutsche Grammophon“ unter Vertrag ist. Sie hat bereits drei Alben veröffentlicht, zuletzt „Maddalena and the Prince“, erschienen im Juli 2019.

In Italien nahe Udine geboren, nahm Maddalena Del Gobbo bereits sehr früh Klavier- und Ballettunterricht, mit acht Jahren begann sie ihr Studium am Violoncello, etwas später kam auch Gesang dazu. Ihr Talent führte sie bereits mit 13 Jahren an das Konservatorium nach Wien.

Ihre bis heute wichtigste Begegnung machte sie aber erst einige Jahre später, als sie ein Plattengeschäft betrat, in dem gerade eine Viola-da-Gamba-CD gespielt wurde. Der magische Klang dieses Instruments zog sie sofort in ihren Bann. Obwohl sie ihr Konzertfachstudium Cello mit einem Master und mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, gehörte ihr Herz der Gambe.

Als Cellistin spielte sie unter Dirigenten wie Donald Runnicles und Valeriy Gergiev, trat in Kammermusikformationen mit Mitgliedern der Wiener Philharmoniker auf, spielte im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper mit und trat solistisch mit Orchester auf. Aber nach und nach widmete sie sich immer mehr der Gambe, bis es ihr Hauptinstrument wurde.

Sie trat bereits bei vielen wichtigen Festivals auf (Barocktage Melk, Mainzer Musiksommer, U21 von BR-Klassik, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Yellow Lounge, Konzertreihen des Wiener Musikvereins) und war 2017 Jurymitglied bei dem internationalen Johann-Heinrich-Schmelzer-Wettbewerb.
Die Sendung „KlickKlack“ des BR widmete ihr 2017 ein Porträt.

Ihr Debütalbum „Viola dʼEmozione“ erschien 2014, gefolgt von „Henriette, the Princess of the Viol“ (2016) und „Maddalena and the Prince“ (2019).
Maddalena Del Gobbo spielt eine Viola da Gamba von Johann Seelos aus dem Jahr 1691, eine Leihgabe der „Orpheon Foundation“.

David Pennetzdorfer

– Violoncello

Sebastian Führlinger

– Viola