Das vergessene Instrument

Sonntag 20.09.2020 15:00 Uhr
Maddalena del Gobbo – Baryton Tamás Varga – Violoncello Robert Bauerstatter – Viola

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Leopold Mozart beschreibt in seiner berühmten Violinschule das dem Cello und der Viola da Gamba nicht unähnliche Baryton: „also zwar, dass zu gleicher Zeit, als man mit dem Geigenbogen auf den oben gespannten Darmseyten die Hauptstimme abgeiget, der Daume durch das Anschlagen der unter dem Hals hinabgezogenen Seyten den Bass dazu spiele. Und eben deswegen müssen die Stücke besonders dazu gesetzet seyn. Es ist übrigens eines der anmuthigsten Instrumente.“ Und genau diese Anmut übersetzt die wunderbare italienische Gambistin Maddalena del Gobbo mit ihren Kollegen ins Hörbare.

„ad cor“ – zu Herzen soll es gehen. Das nur zum Schein vergessene Instrument. Komponisten schätzten die klangliche Raffinesse des Baryton; allein Joseph Haydn komponierte für Fürst Nikolaus I., den „Prachtvollen“, 115 Trios für das Baryton, Viola und Violoncello. Ihm ist es durch die wundervolle und berührende Stimme und die Ausdrucksmöglichkeiten des Bayrtons sowie dem von Leopold Mozart erwähnten gleichzeitigen Zupfen der Resonanzen im Spiel gelungen, eine zutiefst berührende Klangwelt zu erschaffen.

Der musikalische Dialog mit der Viola schafft zusätzlich eine einzigartige Atmosphäre, die asingulär in der Musikliteratur dasteht. Als öffne sich auf Schloss Esterházy ein Fenster ins Pannonische, Vögel zwitschern und drei Musiker geben sich den Seelen ihrer Instrumente hin. Es wird still. Poesie waltet – Kriege werden trotzdem geführt. Doch bleiben sie nicht das einzige im Nachleben der Fürsten. Auch Luigi Tomasini wirkte als Geiger und Komponist am Hofe; Haydn schätzte seine Virtuosität. Andreas Lidl galt überhaupt als Baryton-Virtuose, der mit den klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes lustvoll experimentierte. Es wäre ein sträflicher Luxus, das Baryton zu vergessen!

Maddalena del Gobbo

– Baryton

Maddalena Del Gobbo ist weltweit die einzige Gambistin, die solistisch bei der renommierten „Deutsche Grammophon“ unter Vertrag ist. Sie hat bereits drei Alben veröffentlicht, zuletzt „Maddalena and the Prince“, erschienen im Juli 2019.

In Italien nahe Udine geboren, nahm Maddalena Del Gobbo bereits sehr früh Klavier- und Ballettunterricht, mit acht Jahren begann sie ihr Studium am Violoncello, etwas später kam auch Gesang dazu. Ihr Talent führte sie bereits mit 13 Jahren an das Konservatorium nach Wien.

Ihre bis heute wichtigste Begegnung machte sie aber erst einige Jahre später, als sie ein Plattengeschäft betrat, in dem gerade eine Viola-da-Gamba-CD gespielt wurde. Der magische Klang dieses Instruments zog sie sofort in ihren Bann. Obwohl sie ihr Konzertfachstudium Cello mit einem Master und mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, gehörte ihr Herz der Gambe.

Als Cellistin spielte sie unter Dirigenten wie Donald Runnicles und Valeriy Gergiev, trat in Kammermusikformationen mit Mitgliedern der Wiener Philharmoniker auf, spielte im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper mit und trat solistisch mit Orchester auf. Aber nach und nach widmete sie sich immer mehr der Gambe, bis es ihr Hauptinstrument wurde.

Sie trat bereits bei vielen wichtigen Festivals auf (Barocktage Melk, Mainzer Musiksommer, U21 von BR-Klassik, Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Yellow Lounge, Konzertreihen des Wiener Musikvereins) und war 2017 Jurymitglied bei dem internationalen Johann-Heinrich-Schmelzer-Wettbewerb.
Die Sendung „KlickKlack“ des BR widmete ihr 2017 ein Porträt.

Ihr Debütalbum „Viola dʼEmozione“ erschien 2014, gefolgt von „Henriette, the Princess of the Viol“ (2016) und „Maddalena and the Prince“ (2019).
Maddalena Del Gobbo spielt eine Viola da Gamba von Johann Seelos aus dem Jahr 1691, eine Leihgabe der „Orpheon Foundation“.

Tamás Varga

– Violoncello

Eingetreten in das Orchester der Wiener Staatsoper: 1998
Eingetreten in den Verein der Wiener Philharmoniker: 2001
Tamás Varga, geboren 1969 in Budapest, kann inzwischen auf 20 Jahre als Solocellist der Wiener Philharmoniker zurückblicken. Die solistischen Auftritte mit diesem Orchester gehören zweifellos zu den Sternstunden seiner Karriere. In diesem Zusammenhang sind vor allem das Dvorak-Konzert unter Andris Nelsons im März 2017, das Schumann-Konzert unter Christoph Eschenbach in der Saison 2005/2006 und Richard Strauss‘ „Don Quixote“ unter Zubin Mehta 2009 zu nennen, die in der Presse hochgelobt wurden.

Als Solist bereiste er alle Kontinente und arbeitete mit vielen namenhaften Dirigenten zusammen, wie zum Beispiel mit Ádám Fischer, Seiji Ozawa, Giuseppe Sinopoli, Pinchas Steinberg und Michael Tilson Thomas. Mit dem Letztgenannten verbindet ihn auch die tiefe Überzeugung, dass die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen an junge Musiker eine wichtige Aufgabe darstellt.
Tamás Varga gibt Meisterkurse in der ganzen Welt, zuletzt in Australien, China, Vietnam, Japan und den USA (New York, Berkeley, Miami, Chicago). Dabei bedient sich Tamás Varga auch bewusst neuer Technologien und unterrichtet beispielsweise via Internet. Das Coachen der Cellogruppe des Youtube Symphony Orchestras in Sydney hat auch für ihn neue Impulse gebracht. Projekte wie die Mitwirkung 2018 beim Gedenkkonzert des nationalen Jugendorchesters Chile und Venezuela auf Einladung von Gustavo Dudamel bestärken Tamás Varga darin, gemeinsam mit Jugendlichen zu musizieren, um mit ihnen die verbindende, stärkende und versöhnende Kraft der Musik zu entdecken.
Als begeisterter Kammermusiker tritt Tamás Varga regelmäßig bei bedeutenden Festivals in Europa in Erscheinung wie zum Beispiel bei den Wiener Festwochen, dem Budapester Frühling oder dem Rheingau Musikfestival. Im Sommer 2018 gab er im Rahmen der Salzburger Festspiele mit philharmonischen Partnern ein viel beachtetes Kammermusikkonzert im Mozarteum. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen u.a. Ferenc Bognár, Rudolf Buchbinder, Frédéric Chaslin, Christopher Hinterhuber, Karl Leister, Bobby McFerrin, Daniel Ottensamer, Karl Heinz Schütz und Tamás Vásáry, sowie das Bartók Quartett und das Franz Liszt Kammerorchester.
In den letzten Jahren hat Tamás Varga mehr als 25 CDs für die Plattenfirmen Camerata Tokyo, Naxos, Hungaroton, King Records und Cavalli Records aufgenommen. Im Oktober 2018 spielte er sämtliche Bachsuiten für Violoncello Solo ein zweites Mal ein und ließ sich auf den spannenden Vergleich zwischen der Interpretation bzw. des Klanges auf einem Barockinstrument (2018) und einem modernen Cello (2004) ein.
Besonders am Herzen liegt ihm derzeit ein zeitgenössisches Programm. Fünf Komponisten haben auf Wunsch von Tamás Varga Werke für Violoncello Solo geschrieben, deren verbindendes Element Zoltán Kodálys berühmte Sonate für Violoncello Solo darstellt. Es handelt sich um Kompositionen von A.J. Kernis, A. Nishimura, G. Vajda, L. Vidovszky und Z. Wysocki (der Tamás Varga bereits sein Cellokonzert gewidmet hat). Die Uraufführungen fanden im Oktober/November 2018 im Rahmen zweier Festivals für zeitgenössische Kunst in Budapest (Café Budapest) und Wien (Wien modern) statt.

Robert Bauerstatter

– Viola

Robert Bauerstatter wurde 1971 in Linz geboren. Ersten Violinunterricht erhielt er an der Musikschule der Stadt Linz, weitere musikalische Ausbildung am Bruckner-Konservatorium und am Musikgymnasium Linz, wo er 1990 mit Auszeichnung maturierte. Danach studierte er Konzertfach Viola an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien bei o. Prof. Siegfried Führlinger und o. Prof. Peter Ochsenhofer (2000 Diplom mit Auszeichnung). Meisterkurse absolvierte er unter anderem bei o. Prof. Wolfgang Klos und Gérard Caussé.


1998 – 2001 war Robert Bauerstatter Mitglied des Niederösterreichischen Tonkünstler Orchesters. Seit September 2001 ist er im Orchester der Wiener Staatsoper engagiert, seit 2004 als Stimmführer der Bratschengruppe. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied der Wiener Philharmoniker.
Rege kammermusikalische Tätigkeit als Gründungsmitglied des Lissy Quartetts, des Theophil Ensembles und des Ensembles Trumpet & Strings Vienna; Mitglied des Klavierquartetts Wien, der Vienna Classics und der Wiener Mozartisten. Solistische Auftritte mit dem Linzer Konzertverein, die Philharmonien in Plovdiv und Varna (Bulgarien), sowie mit dem Orquesta Filarmónica de la UNAM (Mexico City). Pädagogische Erfahrung als Dozent bei Meisterkurse an der Nationalen Musikakademie „Pantcho Vladigeroff“ in Sofia und an der Orchesterakademie Ossiach.
Robert Bauerstatter spielt eine Bratsche von Stephan von Baehr aus dem Jahr 2002.