Am Anfang war die Nacht Musik 

Sonntag 20.11.2022 18:00 Uhr
Karl Markovics Wiener Glasharmonika Duo

Kristallsaal
Schloss Rothschild
Waidhofen an der Ybbs

16:30 Uhr Schloss Rothschild  
Vortrag Univ. Prof. Dr. Klaus Felix Laczika über Maria Theresia Paradis und Anton Mesmer
Eintritt:frei!

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Der Film „Licht“ von Barbara Albert aus dem Jahr 2017 brachte dieser vergessenen Persönlichkeit der österreichischen Musik- und Kulturgeschichte erneut Aufmerksamkeit. Maria Theresia Paradis (1759–1824) lebte als Pianistin und Komponistin in Wien.

Seit ihrem 4. Lebensjahr blind, erhielt das außerordentlich begabte Mädchen musikalischen Unterricht von Joseph Fuchs und G. F. Richter (Klavier, Orgel), Leopold Koželuch (Klavier), Vincenzo Righini (Gesang), Antonio Salieri (Gesang, dramatische Komposition) sowie von Abbé G. J. Vogler und F. C. Frieberth (Komposition und Musiktheorie). Maria Theresia Paradis wurde von Kaiserin Maria Theresia gefördert und trat 16-jährig 1775 erstmals in Wien auf. In den Jahren1783–1787 unternahm sie eine 4-jährige Konzertreise durch Westeuropa. Danach lebte sie in Wien, trat jedoch kaum mehr auf und gründete 1808 eine Musikschule für Mädchen und Frauen. Antonio Salieri (Orgelkonzert 1773), W. A. Mozart (Klavierkonzert KV 456) und wahrscheinlich auch J. Haydn (Klavierkonzert Hob. XVIII:4) komponierten eigens Werke für Maria Theresia Paradis.

In der Kritik „Sehen tut weh“ schreibt Dietmar Jacobsen über den Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 1992, Allisa Walser, „Am Anfang war die Nacht Musik“: „Von Januar 1777 bis April 1784 lässt es seinen Leser episodenhaft am Leben zweier Persönlichkeiten der Zeitgeschichte teilnehmen. Die eine, Franz Anton Mesmer (1734–1815), Arzt und Begründer der nach ihm benannten Lehre vom tierischen Magnetismus, lebt, wenn Walsers Roman einsetzt, seit fast zwei Jahrzehnten in Wien und sucht nach Anerkennung für seine umstrittenen Heilmethoden durch die Medizinische Fakultät. Die andere, Maria Theresia Paradis (1759–1824), im Alter von drei Jahren erblindete, europaweit bekannte Pianistin und Sängerin – später auch Komponistin und Gründerin eines „Instituts für musikalische Erziehung“ – setzt ihre Hoffnung auf Heilung für nahezu ein Jahr ganz auf den weithin berühmten, von der zeitgenössischen universitären Medizin aber als Scharlatan angesehenen Mesmer. Um den Konflikt zu begreifen: Wir sind im Zeitalter der Aufklärung. Das „siècle des lumières“ verstand sich als ein alle Lebensbereiche umfassendes Versprechen, der Wahrheit mit Hilfe von Verstandesgebrauch ans Licht zu verhelfen. Nichts galten mehr überkommene Abhängigkeiten, Fesselung des Glaubens und zur Doktrin erhobene Vorurteile. Was nicht beweisbar war auf rationalem Weg, fiel dem Verdikt anheim. Ominöse Autoritäten, deren Lehren einer „wissenschaftlichen“ Hinterfragung nicht standhielten, wurden als Betrüger gebrandmarkt. Gerade die Begeisterung weniger gebildeter Schichten für Charismatiker wie Mesmer galt dabei als untrügliches Zeichen, dass es nicht weit her sein konnte mit deren Reputation.“

Franz Anton Mesmer nimmt das blinde Mädchen in sein „magnetisches Spital“ auf und ist überzeugt, Maria Theresia Paradis helfen zu können. Mit diesem spektakulären Fall erhoffte er die ersehnte Anerkennung der akademischen Gesellschaften zu bekommen. Auch über ihre gemeinsame tiefe Liebe zur Musik lernen Arzt und Patientin einander zu verstehen. Es gibt bald erste Heilerfolge. Nachdem die Eltern Maria Theresia Paradis im Juni 1777 Mesmers Behandlung entzogen hatten, fiel sie wieder in vollkommene Blindheit zurück. 

Die Glasharmonika war jenes Instrument, das Mesmer nicht nur gerne und sehr gut selbst gespielt hat, sondern das er auch bei seinen magnetischen Kuren eingesetzt hat. Die Wiederentdeckung der Glasharmonika ist eng mit dem künstlerischen Werdegang des Wiener Glasharmonika Duos – Christa und Gerald Schönfeldinger – verbunden. Seit 25 Jahren bietet das Wiener Glasharmonika Duo seinem Publikum eine Symbiose von poetisch-virtuoser Kammermusik und meditativen Klangwelten ungeahnter Intensität. Ob in der Royal Albert Hall London, im Wiener Musikverein, bei den Salzburger Festspielen, im Konzerthaus Berlin, dem Menuhin Festival Gstaad, in der Suntory Hall in Tokyo, in der Elbphilharmonie Hamburg oder im Kennedy Center Washington. Ihre melodische Kunst aus Glas begeistert, fasziniert und berührt weltweit.
Am Anfang war die Nacht Musik. Ein historisch-literarischer Abend über das Sehen und Gesehenwerden. Mit sphärischen Klängen, die schwebende Hoffnung erzeugen. Die Macht der Musik.